
Am 11. Mai 2026 hatten wir als Französisch-LK die Möglichkeit, an der Gedenkveranstaltung in der französischen Botschaft in Berlin (natürlich in französischer Sprache) zum 85. Jahrestag der „Rafle du billet vert“ teilzunehmen.
Bei der „Rafle du billet vert“ handelt es sich um eine Razzia in Paris während des Zweiten Weltkriegs, bei der zahlreiche Juden festgenommen wurden. Viele von ihnen wurden später nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Der Name des Ereignisses geht auf die Vorladungen der jüdischen Bürger durch ein grünes Ticket zurück.

Zu Beginn der Veranstaltung wurden Fotografien der „Rafle du billet vert“ ausgestellt, die die Geschehnisse darstellten. Anschließend folgten mehrere Reden der Organisatoren des Abends, sowie der Leiterin des französischen Fotoarchivs der Shoah-Gedankenstätte in Paris. Sie berichtete darüber, wie sie zu den in der französischen Botschaft ausgestellten Bildern kamen und weshalb diese Bilder eine besondere Bedeutung haben.
Im Anschluss erwies uns die Shoah-Überlebende Frau Liliane Ryszfeld die Ehre, als Zeitzeugin von ihren Erfahrungen zu berichten. Ihr Vater wurde damals während der „Rafle du billetvert“ verhaftet und später in Auschwitz ermordet. Frau Ryszfeld war zu dieser Zeit noch ein kleines Mädchen, konnte sich jedoch sehr genau an ihre Gefühle aus der Zeit erinnern. Sie erzählte von ihren persönlichen Erlebnissen, der Geschichte ihres Vaters sowie von der Zeit nach dem Krieg.
Im weiteren Verlauf des Abends hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, Frau Ryszfeld Fragen zu stellen. Dabei berichtete sie noch ausführlicher von ihrer Familie und ihren Erinnerungen
Aus dieser Veranstaltung nahmen wir viel mit.
Denn durch die Reden von der Archiv-Leiterin wurde deutlich, wie wichtig es ist, Quellen kritisch zu hinterfragen und auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Außerdem waren die Erzählungen von Liliane Ryszfeld sehr bewegend und bereichernd, denn sie nahm uns auf eine persönliche Reise in die Vergangenheit mit, indem sie ihre Erinnerungen mit viel Ruhe und Offenheit teilte.
Einen schönen Satz, den sie uns allen mitgab war: „profiter de votre jeunesse“, sie erklärte dazu weiter, wie wichtig es ist Momente zu genießen und neue Erfahrungen zu machen, denn Zeit vergeht und mit ihr verschwinden oft auch Möglichkeiten.
Sie hat uns ebenfalls einen Auftrag mitgegeben, in dem sie sagte: „Celui qui écoute un témoin devient le témoin“ (Wer einem Zeugen zuhört, wird selbst zu einem Zeugen.“) und „il faut se poser la question si on est un témoin crédible“.

Vielen Dank an die französische Botschaft für die Einladung und ebenfalls an alle Organisatoren und an Frau Liliane Ryszfeld, die trotz ihrer schweren Schicksalsschläge mit 91 Jahren noch bereit ist, vor einem Saal voller junger Menschen zu sprechen. Ebenfalls einen Dank an unsere Lehrerin Mme Gardille, die uns die Teilnahme an der Gedenkfeier erst ermöglichte.
Martha (Q2)